Geburtsbericht meines Engels

Triggerwarnung: Geburt eines Sternenkindes

Diese Schilderung ist sehr persönlich und jeder der nicht wissen möchte, wie eine Geburt abläuft sollte es nicht lesen. Ich finde allerdings, dass mehr Menschen soetwas lesen sollten. Nicht die Geburtsberichte von Sternenkindern, aber positive Geburtserlebnisse, die zeigen, dass Geburten nicht dieses laute, schreckliche, schmerzhafte Ereignis sind, dass wir aus dem Fernsehen kennen.

Ich möchte von einer ganz wundervollen Geburt berichten, auch wenn ich das Krankenhaus ohne meinen Sohn verlassen musste. Aber da diese Geburt mir gezeigt hat, dass es auch anders geht als bei meiner Tochter, und diesmal natürlich niemand fragt, wie die Geburt war möchte ich gerne davon erzählen.

Es fing damit an, dass ich am Dienstag 14.5. im Geburtshaus zur Vorsorge war. Ich war leicht beunruhigt weil ich seit Samstag Abend keine Bewegungen mehr wirklich gespürt hatte. Aber da die Schwangerschaft problemlos verlief und ich viel gemacht und sonst geschlafen habe, habe ich gedacht ich hätte es nur einfach verpasst.

Meine Hebamme im Geburtshaus versuchte dann mit dem Doppler Herztöne zu hören und fand keine. Also fragte sie, ob sie es mit dem ctg probieren könnte. Klar. Hat sie aber auch nicht gefunden. Sie hat dann eine Kollegin geholt und die hat auch gesucht. Wir wussten allerdings auch alle nicht wie er lag. Anders als sonst auf jeden Fall. Die beiden sind so ruhig geblieben und haben gesagt „Wir fahren zur Kontrolle ins Krankenhaus“. Selbst da habe ich mir noch keine großen Sorgen gemacht.
Meine Hebamme hat mich begleitet und bleib die ganze Untersuchung bei mir und hat mich im Arm gehalten als ich geweint habe.
Sie hat mit mir auf meinen Mann gewartet, den ich angerufen habe und ist erst gegangen als er nach Ewigkeiten im Stau endlich da war.
Von ihr kam auch der Tipp noch mal eine Nacht zu Hause zu bleiben.

Am nächsten Morgen waren wir dann um kurz vor 8 zur Einleitung wieder in der Klinik. Ich hatte eine Hebamme die meinte sie wäre bis spät abends da und ich kann alles haben was ich möchte, ich solle nur Bescheid sagen. Die meiste Zeit haben wir in unserem Zimmer in der Nähe der Wochenstation verbracht, wo wir zwei Betten aneinander geschoben bekamen.
Ich konnte Nachmittags auf bitten in einem sehr schönen Zimmer in die Wanne wo wir uns auf die Namen einigten, da wir immer noch nicht wussten welches Geschlecht das Kind hatte. Ich habe den ganzen Tag leichte Wehen gespürt. Die aber nur seicht waren wie Übungswehen.

Also sind wir abends eingeschlafen und ich hatte Angst, dass es sich noch Tage hinziehen könnte. Um 3 Uhr nachts bin ich dann von der ersten starken Wehe aufgewacht. Meinen Mann habe ich eine halbe Stunde später geweckt und sehr kurz danach standen wir schon oben vorm Kreißsaal. Ich musste die Wehen dort schon leicht veratmen. Eine neue Hebamme hat sich vorgestellt und ist mit uns in ein Zimmer gegangen. Nachdem sie sie sich um uns gekümmert hat mit Getränken und lieber Fürsorge hat sie mich gefragt ob sie fühlen darf wie weit ich bin. Das wollte ich unbedingt, weil ich wissen wollte ob ich Schmerzmittel brauche. Ich wollte für diese Geburt nicht stark sein. Ich hatte eine panische Angst dass es zusätzlich zu den seelischen Schmerzen auch körperlich noch richtig übel wird. Sie konnte leider nicht tasten, wie weit der Muttermund schon war und ich habe um etwas Schmerzlinderung gebeten. Also bekam ich einen Zugang und einen Tropf. Den hatten sie vorher extra nicht gelegt um mich in Ruhe zu lassen. Die Wehen wurden trotzdem doller und ich habe angefangen zu fluchen laut meinem Mann. Der stand die ganze Zeit neben mir. Ich habe neben dem Bett gestanden zum veratmen und in den Pausen mich hingesetzt weil es schon ordentlich Energie gekostet hat. Dann platzte die Fruchtblase was ich erst nicht zuordnen konnte, da sie bei der ersten Geburt später angestochen wurde. Dann kamen noch ein paar schmerzhafte Wehen, bevor mit zwei Presswehen erst der Körper geboren wurde. Dann kam eine Pause und ich hatte Angst mein Körper hätte einfach beschlossen nicht weiter zu machen, weil ich mir sowas zwischendurch wohl gewünscht habe. Einfach lassen und nach Hause gehen. Aber mit einer dritten Presswehe kam dann auch der Kopf.

Um 5:18 ist mein wunderschöner Sohn Linus Cassian mit 46cm, 2360gr und Sehr vielen dunkeln Haaren geboren.

Die Hebamme hat ihn saubergemacht angezogen und uns in einem Tuch gegeben. Dann haben sie und eine zweite Hebamme, die zur Geburt dazu kam sich aber im Hintergrund hielt, uns zum Begrüßen und Verabschieden allein gelassen. Vorher kam noch die Plazenta und ich wurde untersucht, war aber bis auf einen mini Riss und mini Abschürfung komplett heil.

Ich bin allen dort so dankbar dafür, wie sie mit mir und uns umgegangen sind. Wie sie uns begleitet und unterstützt haben. Auch wenn es das schlimmste war was ich je erlebt habe und es hoffentlich auch bleiben wird, haben alle dafür gesorgt, es etwas besser zu machen. Ich habe nicht damit gerechnet so viel Unterstützung, Mitgefühl und Freundlichkeit zu erleben.