Der Frühling kommt

Endlich ist er da. Der Frühling. Dieser Winter war lang und hart. Damit meine ich nicht, dass es besonders kalt gewesen wäre, hier hat es nicht mal wirklich geschneit, aber für mich war die fehlende Sonne schrecklich. Als vor dem Zimmerfenster die Zierkirsche anfing zu blühen kam mein Herz langsam aus der Dunkelheit zurück. Der Frühling kommt, und mit ihm Sonnenschein und Wärme!

Das letzte Jahr war zu einem großen Teil schrecklich. Ich habe zwei Kinder verloren und mehr geweint als in meinem bisherigen Leben insgesamt, trotz gebrochener Herzen in der Teeniezeit und anderen Möglichkeiten dazu. Und alles, was wir uns gewünscht haben war, dass 2020 besser wird als 2019. Und das haben wir leider nicht konkret genug formuliert. Ist besser schon, wenn bei uns nicht noch ein Kind stirbt? Ja für uns auf jeden Fall. Aber dass wir mit 2020 in eine Pandemie laufen würden, die uns als Familie die sich dank der Trauer eh schon manchmal aufreibt auch noch quasi zu Hause einsperrt, hätten wir nie gedacht.

Für uns persönlich wird es grade besser. Ich ertrinke nicht mehr in der Trauer, wie ich es im Januar und Februar getan habe. Ich bin oft wieder ich selbst und kann meine Ziele gut verfolgen, auch wenn diese jetzt ganz andere sind als noch vor einem Jahr. Wir streiten auch nicht mehr so viel. Also zumindest war das so, bevor unsere Zeit zu dritt zu Hause und ohne Verabredungen begann. Jetzt ist natürlich oft was im Argen. Wir haben einfach keine Chance knappe 20 Kinder zu ersetzen die im Kindergarten immer zum Spielen Zeit und Lust hatten.

Und obwohl es besser ist, drehen sich so viele meiner Gedanken darum, was grade passiert. Was hier in unserer Stadt, in unserem Land, auf der ganzen Welt passiert. Covid-19 macht mir angst. Meine Oma ist mit 85 Jahren definitv gefährdet! Und einige Freund*innen von mir gehören zu Risikogruppe genau wie Familienmitglieder. Und obwohl der Frühling kommt, und die Sonne meine Stimmung hebt, sitzen die Gedanken fest. Oder drehen sich in einem endlosen Karussel. Es fällt mir schwer nicht die ganze Zeit auf Twitter zu scrollen und zu warten, dass es wieder neue Zahlen, Daten, Warnungen gibt. Das hilft nämlich definitiv nicht gegen die Angst 😉 Aber ich bemühe mich, jeden Tag ein bisschen mehr, auch mit dieser Belastung klar zu kommen.

Und ich werde sehr traurig und wütend wenn mir jedes mal wieder bewusst ist, dass wir trotz der für uns schwierigen Situation sehr Priviligiert sind. Auch oder grade in Zeiten der Pandemie. Mein Job ist sicher. Den kann ich höchstens selbst kündigen. Der von meinem Mann wahrscheinlich auch. Er hat die Möglichkeit seit Wochen von zu Hause aus zu Arbeiten, ohne feste Zeiteinteilung, so dass alles für uns als Familie klappt. Wir haben den Schrebergarten, in den wir bisher noch fahren dürfen und wo wir frische Luft kriegen und trotzdem Abstand halten können zu anderen Menschen.

Und dann frage ich mich, wie ich mehr helfen kann, dass andere gut durch die Krise kommen. Ich habe Freundinnen die Politik machen, da halte ich mich grade etwas zurück, aber ich weiß, dass viele dran arbeiten etwas zu tun. Und ich habe so viele Petitionen unterschrieben für Unterstützung jeder Form, für Menschen, die durch Covid-19 mehr verlieren können, als nur die Nerven, weil das Kind grade Wand, Fußboden und Lichtschalter mit Buntstiften angemalt hat.

Wenn ihr Ideen habt, wie man helfen kann, außerhalb der vielen bekannten Wege, lasst gerne einen Komentar da! Und ansonsten wünsche ich allen, dass sie den kommenden Frühling genießen können. Auch wenn er vielleicht nur vor dem Fenster stattfindet.

Viel Gesundheit für alle!

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